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Diskussionsabend: Netzneutralität

AllBitsAreCreatedEqualSollten alle Bits gleichberechtigt behandelt werden?
Welche Gründe haben Provider in den Datenverkehr ihrer Kunden einzugreifen?
Welche Auswirkungen hat Netzneutralität auf unsere Gesellschaft?

 

Die Initiative für Netzfreiheit beschäftigt sich seit vielen Monaten sehr intensiv mit dem Thema Netzneutralität. Aus diesem Grund widmen wir einen Abend ganz der thematischen Diskussion rundum dieses komplexe Thema.

Anstoß für diese Veranstaltung sind mehrere Anfragen von Menschen mit inhaltlichen und auch teils sehr technischen Fragen. Gleichzeitig wollen wir unsere Aktivitäten in der Kampagne unsernetz.at vorstellen und neue Mitstreiter_innen gewinnen.

Do, 2. Mai 2013 um 19:00
Metalab – Bibliothek, Rathausstaße 6, 1010 Wien
Station: U2 – Rathaus

(Event auf Failbook)

Wir freuen uns auf eine fruchtbare Diskussion!

Vergleich verschiedener Netzneutralitätsgesetze

In der Debatte rund um die Netzneutralität hört man öfters die Kritik Netzneutralität sei zu schwammig, nicht genau definierbar und im Detail sehr schwierig. Wir glauben das nicht und haben deswegen einen Vergleich aller bestehender Gesetze zur Netzneutralität geschrieben. Wir ist in diesem Fall übrigens die österreichische Kampagne unsernetz.at.

drei Länder, drei Entstehungsgeschichten

Wir haben uns die Gesetze von Chile, den Niederlanden und Slowenien angesehen. Chile hat als erstes Land der Welt ein Gesetz zur Netzneutralität erlassen, die Situation dort war ein Monopol eines einzelnen Providers im ganzen Land, den man mit diesem Gesetz von allzu dummen Ideen abhalten wollte. Spannend an Chile ist auch die Einschränkung von Netzneutralität auf “legal content”, eine Unterscheidung die sich auch in Definitionen der US Regulierungsbehörde FCC finden lässt (“lawful content“). Chile ist übrigens bei weitem nicht das einzige Land in Lateinamerika mit Gesetzten zur Netzneutralität, ähnliche Gesetze finden sich auch in Argentinien, Columbien, Brasilien und Mexico.

In den Niederlanden haben es unsere Freunde von Verein “Bits of Freedom” geschafft, die Gunst der Stunde zu nutzen als bekannt wurde, dass ein niederländischer Provider in großen Umfang Deep Packet Inspection (DPI) einsetzte, um seine Kunden auszuspionieren. Bits of Freedom hatte zu diesem Zeitpunkt schon fertige Materialien und einen Vorschlag für ein Gesetz in der Hinterhand und wartete nur noch auf die richtige Gelegenheit. Ganz ähnlich wie aktuell in Deutschland kann ein Fehltritt eines Providers die Chance für so ein Gesetz eröffnen. Gleichzeitig sehen wir seit dem Erlass des niederländische Gesetzes 2012, wie Provider vorsichtiger werden und zumindest in Österreich will niemand mehr zugeben DPI Equipment im Netz zu haben.

Am überraschendsten war die Entstehungsgeschichte in Slowenien, in unserem Vergleich eines der fortschrittlichsten Gesetze. Slowenien überarbeitete sowieso gerade das gesamte Telekommunikationsgesetz und führte auch letztens erst eines der umfassendsten Informationsfreiheitsgesetze ein – ein Blick lohnt sich also in jedem Fall.

Kleinster gemeinsamer Nenner

Der Kern aller drei Gesetze ist eine Pflicht für Provider Datenpakete in ihrem Netz gleich zu behandeln. Die beiden europäischen Länder haben jedoch auch Ausnahmen hierfür: Stauvermeidung ist ein legitimer Grund für Ungleichbehandlung, die Bekämpfung von Spam und DDos Attacken, so wie auch die Umsetzung von Gerichtsentscheidungen. Also hilft Netzneutralität leider nicht gegen verordnete Internetsperren, wobei solche Maßnahmen in Slowenien zumindest zeitlich begrenzt, verhältnismäßig und diskriminierungsfrei sein müssen.

Alle diese Bestimmungen beziehen sich nicht auf einzelne technische Verfahren, sondern viel mehr auf die Absicht hinter einer Maßnahme des Netzwerk Managements. In Chile wird es sogar umgekehrt gehandhabt und einfach jedes Verfahren ausgeschlossen das den freien Wettbewerb im Internet beinträchtigen könnte. Klar wird aber, dass Netzneutralität technologieneutral formuliert sein muss, sprich einzelne Techniken sind weder gut noch böse; erst ihr Einsatz zu einem gewissen Zweck macht klar, wie sie zu bewerten sind.

Eine Kontrolle dieser Gesetze ist natürlich nur dann möglich, wenn es auch eine Verpflichtung zur Transparenz für die Provider gibt. Jede Maßnahme, mit der in die Netzneutralität eingegriffen wird, muss mit einer Begründung nach den Prinzipien von Open Data offen gelegt werden; nur so kann es eine effektive Kontrolle und Wettbewerb zwischen den ISPs geben. All die bisherigen Punkte regeln wie netzneutral das Internet sein soll.

Riesiges Schlupfloch

Der entscheidende Unterschied zwischen diesen Gesetzen ist jedoch die Frage der Produktgestaltung von ISPs. Damit lassen sich alle vorherigen Bestimmungen leider mehr oder weniger aushebeln. Die Frage der Produktgestaltung betrifft genau so etwas wie den Spotify-Tarif der deutschen Telekom oder die möglichen Priorisierungen von Diensten bei gedrosselten Telekom-Anschlüssen. Das niederländische Gesetz vom Mai 2012 sieht dazu im Paragraph 3 vor:

“Internet-Zugangs-Anbieter dürfen nicht die Höhe der Tarife des Internetzugangsdienstleistungen abhängig machen von den Diensten und Anwendungen, die über diese Dienste angeboten oder genutzt werden.”

Damit ist leider noch nicht viel gewonnen, weil ein Provider auch neben dem Preis andere Möglichkeiten hat Diensteanbieter in seinem Netz zu bevorzugen. Ein gedrosselter Telekom Kunde der immer noch Spotify nutzen kann muss nicht zwangsweise der Telekom mehr Geld bezahlen, wenn Spotify das bereits getan hat. Anders sieht es in Slowenien aus, dort heißt es im Paragraphen 5:

“Dienstleistungen der Netzbetreiber und Service-Provider sollten nicht auf Anwendungen oder Diensten basieren, die über den Internetzugang angeboten oder genutzt werden”

Obwohl es sich hier komischerweise nur um eine Soll-Bestimmung handelt, verbietet dieser Paragraph am umfassendsten ein Bundling von ISPs mit Diensteanbieter. Das heißt im Klartext, dass in Slowenien bereits verboten ist, was gerade in Deutschland und andern Orts kritisiert wird ist.

Conclusio

Es ist an der Zeit auch in Deutschland und Österreich Gesetze zum Schutz der Netzneutraltät zu verabschieden. Denn die Produktgestaltung der Provider kann jederzeit Tatsachen schaffen und ist im nachhinein weitaus schwieriger abzuschaffen als durch präventive Gesetzgebung. Die Untätigkeit der europäischen Kommission im Hinblick auf diese Gefahr, zeigt ebenfalls wie dringend wir solche Gesetze brauchen.

NK10 – Transparenzgesetz

In dieser Podcast Episode spreche ich mit Daniel Lentfer aus Hamburg über das Transparenzgesetz. Wir reden über direkte Demokratie, darüber was der Bürger vom Staat wissen darf und wie man seinen Staat am Besten befragen kann.

Diese Folge wurde Ende Dezember 2012 aufgenommen, inzwischen sind Transparenzgesetz und Frag den Staat auch nach Österreich gekommen!

Ressourcen:

Warum Netzneutralität wichtig ist!

WHAT IF? Net Neutrality / Netzneutralität from Felix Kenji on Vimeo.

Dieses nette kleine Video zeigt wieso wir ein zwei Klassen Internet nicht zulassen dürfen! Deshalb Unterstützt bitte unsere Kampagne zur Netzneutralität auf unsernetz.at

Österreich auf dem Weg zum Transparenzgesetz

Die Plattform “Frag Den Staat” gibt es jetzt auch für Österreich. Wie beim deutschen Vorbild kann man auf dieser Website in wenigen einfachen Schritten Anfragen an Österreichische Behörden stellen. Die Anfragen werden genauso wie die Antworten auf der Website veröffentlicht und der gesamte Prozess dahin wird transparent gemacht.

Die gesetzliche Grundlage für solche Informationsfreiheitsanfragen ist in Österreich jedoch noch umstritten. Es gibt zwar ein Auskunftsrecht im Verfassungsrang, dieses konkurriert jedoch mit dem Amtsgeheimniss, ebenfalls im Verfassungsrang. Deshalb ist es am Ende oft eine Entscheidung im Einzelfall ob Bürger_innen Informationen von ihrem Staat bekommen oder nicht. Österreich hat auch keine nennenswerte Kultur der Transparenz in der öffentlichen Verwaltung, einen durchsetzbaren Auskunftsanspruch gibt es nicht. Um an diesem Misstand etwas zu ändern hat sich die Plattform Transparenzgesetz.at gegründet, eine Kampagne vom ehemaligen profil-Journalisten Josef Barth und dem Anti-Korruptionsexperten Hubert Sickinger. Gefordert wird ein Auskunftsrecht für Bürger_innen und eine Veröffentlichungspflicht für die Verwaltung.

Das Anliegen wurde in den letzten Monaten auch von den politischen Parteien aufgegriffen. Den Anfang hat die Piratenpartei gemacht, in ihrem Liquid Feedback gibt es einen Antrag der sehr stark dem Hamburger Transparenzgesetz ähnelt. Die Grünen arbeiten ebenfalls an einem Gesetzesantrag und haben dazu zuletzt eine Parlamentarische Enquette abgehalten. Die nächste Enquette des Netzpolitik Flügels der SPÖ zu dem Thema war für April geplant. Doch dann wurde das Thema auf einmal zur Chefsache und die Spitzen von ÖVP und SPÖ sprachen sich für ein Transparenzgesetz aus.

Ob ein modernes Transparenzgesetz in Österreich vor der nächsten Wahl im September noch umsetzbar ist, bleibt fragwürdig. Da sich aber alle Parteien in dieser Frage einig sind lässt sich natürlich für die nächste Legislaturperiode vieles erhoffen und hoffentlich vorbereiten. Die positive Stimmung muss genutzt werden um ein Umdenken in der Verwaltung zu verankern und die verkrusteten Strukturen des Amtsgeheimnisses dort aufzubrechen wo “der Bürger” noch als Bittsteller gesehen wird. Da Österreich ja schon den elektronischen Akt umgesetzt hat, kann eine Österreichische Lösung durchaus auch über das Hamburger Transparenzgesetz hinaus gehen. Am Ende wird sich weisen welche Partei den weitreichendsten und wasserdichtesten Gesetzesvorschlag vorlegt.

In jedem Fall haben wir mit Frag Den Staat ein extrem nützliches und effizientes Tool bekommen, um unseren Staat ein Stück transparenter zu machen und dort wo Intransparenz herrscht, diese sichtbar und messbar zu bekommen. Ich habe mal mit ein paar Anträgen angefangen!

DISCLAIMER: Der Author dieses Artikels ist Mitarbeiter der Open Knoweldge Foundation Österreich.

Ben Scott über Netzneutralität

Ein etwas älteres Fundstück, dass aber immer noch sehenswert ist. Ben Scott erklärt in einer sehr klaren Art und Weise wie die Debatte rund um Netzneutralität in den USA abgelaufen ist. Da Netzneutralität mein Hauptthema in der Netzpolitischen Arbeit geworden ist, bin ich hier sicherlich befangen, aber ich hoffe trotzdem euch gefällts! ;)

An dieser Stelle sei noch einmal auf unsere Kampagne zur Netzneutralität in Österreich verwiesen!