Wie neutral ist das Internet?

netneutralitymap.orgDer Diskussion rund um die Netzneutralität mangelt es nicht an hinkenden Vergleichen, aber oft hapert es an Fakten und ihrer einfachen Aufbereitung. Deshalb haben Aktivisten aus Österreich eine Visualisierung der Mess-Daten des meassurment labs gebaut, und auf netneutralitymap.org veröffentlicht. Fazit der Karte: die Situation ist schlimmer als erwartet und es besteht eindeutig Handlungsbedarf!

In einer farblichen Kodierung zeigt die Karte in welchem Ausmaß die Internetprovider eines Landes in den Datenverkehr ihrer Kunden eingreifen. Basis der Grafik sind die Daten des “Glasnost” Netzwerktests des meassurment labs. Aus den Daten geht hervor ob Provider gezielt gewisse Protokolle verlangsamen. In einem ausführlichen Paper beschreibt das Max-Planck-Institut für Softwareentwicklung wie der Test funktioniert. Es wurde eine sehr konservative Messmethode gewählt um möglichst wenige false-positiv Ergebnisse zu bekommen. Obwohl die Verlangsamung von Datenpacketen aufgrund ihres Dienstes nur eine von mehreren möglichen Verletzungen der Netzneutralität ist, zeigt die Karte klar wie häufig dies Praxis im Internet geworden ist. Diese Tendenz wird durch die bevorstehende Verabschiedung von Dienstklassen durch die ITU Konferenz im Dezember 2012 tendenziell noch steigen.

Entwickler Michael Bauer äußert sich zum Effekt seines Projekts auf ihn:

“Bevor ich netneutralitymap gemacht habe war Netzneutralität für mich ein akademisches Thema. Aber als ich mit eigenen Augen gesehen habe wie weit verbreitet die Eingriffe in die Netzneutralität sind, wurde mir klar: Es gibt ein systematisches und weltweites Problem.”

Der Sourcecode des Projektes findet sich auf github, weitere Visualisierungen sind geplant. Auf dem Österreichischen Netzkongress DNP wird dieses Wochenende auch eine Kampagne zur Netzneutralität vorgestellt. Aktivisten der Initiative für Netzfreiheit und des Vereins für Internetbenutzer Österreich haben dieses Thema auf ihre Agenda gehoben.

Die Karte beschränken sich immer auf Daten des letzten Jahres und wird alle drei Tage aktualisiert, dadurch können auch neue Testergebnisse sichtbar gemacht werden. Mit dem Glasnost Test kann im Browser getestet werden  ob der eigene Provider (ggf. auch Provider auf der Route zu den Testservern) das ausgewählte Protokoll verlangsamt. In den meisten Ländern fehlt es immer noch an Datenmaterial um Aussagen über die nationale Situation treffen zu können. Deshalb rufen die Aktivisten dazu auf den Test im eigenen Browser mit den gängisten Protokollen laufen zu lassen!

MIHI Y U NO VOTE PIRATES?

Abgesehen von ihren Vertretern gibt es für mich noch einen weiteren Grund die Piratenpartei nicht zu wählen: Sie sehen Ideologiefreiheit als ihre größte Stärke.
Eine politische Ideologie zu haben scheint in den letzten Jahren uncool geworden zu sein. Nicht nur in der breiten Bevölkerung, sondern auch in den Rängen der politischen Klasse. Entscheidungen werden nicht mehr mit Ideen, wie eine Gesellschaft funktionieren sollte, beantwortet, sondern einzig und allein mit Sachzwang. Nach und nach haben sich Parteien für ideologiefrei erklärt – allen voran die rechten. Die scheinbare Ideologiefreiheit hat uns jedoch ganz ordentlich in die Misere gebracht. Sozialleistungen und Bildungsbudgets wurden geopfert um marode Banken zu retten – uns bleibt ja keine Alternative. Menschenrechte werden allerorts eingeschränkt – sonst droht uns das Chaos von Terrorismus und Aufständen.
Eine Partei ist nun angetreten die Politik mal kräftig zu ändern. Eine Partei, von der scheinbar nicht nur ihre Proponenten viel erwarten: Die Piratenpartei. Mit einem neuen Verständnis von Offenheit und Transparenz soll Politik gemacht werden. Jedoch verspricht die Piratenpartei nicht etwas radikal Neues, sie will nur noch mehr Ideologiefreiheit und “Sachpolitik”. Danke, davon hatte ich schon genug.
Die Frage, die Politik für mich beantworten soll, lautet: In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Eine hochideologische Frage – für alles andere haben wir Beamte. Sachpolitik hat uns in die Krisen manövriert, mit denen wir im Moment zu kämpfen haben. Was ich mir wünsche ist wieder über Ideologien zu diskutieren, wieder die Frage zu stellen, wie wir eine digitale Gesellschaft leben wollen. Gerade weil die Piraten keine Antwort auf diese Frage geben wollen, sind sie für mich unwählbar.
UPDATE: Zu diesem Artikel ist eine Entgegnung auf Zib21 erschienen.