Gastkommentar: Käse, Tulpen, Internet

Ein Gastkommentar von Nicole Kolisch, den Sie mir dankenswerterweise überlassen hat.

Man muss sie lieben, die Holländer. Sie sprechen wie Rudi Carrell, kicken wie Wesley Sneijder und argumentieren wie EU-Digital-Kommissarin Neelie Kroes. Dabei klingeln sie noch freundlich mit dem Fahrrad. Sie schenken uns alten Gauda und junge Gesetze. Ersteren trag ich an den Hüften, letztere im Herzen, denn in so einem niederländischen Gesetz wird neuerdings geregelt, dass Telekommunikationsanbieter ihre Kunden nicht bescheissen dürfen. Spätestens jetzt sollten Sie die Holländer so lieben wie ich. Außer Sie sind zufällig Telekommunikationsanbieter.

Tatsächlich ist die Tulpenmonarchie das erste Land, das die Netzneutralität gesetzlich verankert und damit festschreibt, was unantastbar sein sollte: Alle Bits sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Auf dem Transportweg von A nach B wird somit keiner Information bevorzugte Behandlung angediehen, egal, ob sie aus dem großen Rechenzentrum der NASA abgeschickt wurde oder aus einer Volksschule in Fischamend. Kurz: Wenn wo “Internet” draufsteht, ist überall das gleiche Internet drin.

Könnt uns wurscht sein, ob Emails aus Fischamend eine Sekunde länger brauchen? Stimmt. Aber erstens ist Egalität jenes Grundprinzip, das das Netz groß gemacht hat – mit der Gleichbehandlung, wenn sie schon mal irgendwo auf der Welt existiert, spielt man nicht deppat umanand. Und zweitens wird’s eher selten um Fischamend gehen. Es geht um Google & Co. Eh klar.

Der feuchte Unternehmer-Traum von den unterschiedlichen Datenpackerln, die man unterschiedlich behandelt, dreht sich ja nicht darum, Volksschüler in Fischamend zu schröpfen. Die sind den Telekoms dieser Welt totally blunzn. Allerdings kann man mit so einer Technik gut zu König Google gehen und sagen: “Wir transportieren euer Angebot nur dann rucklfrei auf der Schnellstraße, wenn ihr blecht. Andernfalls: Kriechspur. Und vielleicht verlieren wir auch das eine oder andere Packerl unterwegs…”

Hallo neues Geschäftsmodell. Hallo Zweiklassengesellschaft.

Natürlich kann sich’s Google leisten, besser zu zahlen, ergo besser transportiert zu werden. Bloß: Der pickelige Nerd aus der Lijnbaansgracht, kann sich sein Web-Start-Up dann an den Hut stecken. Und genau das lassen die Holländer nicht zu. Die singen mit Hermann Van Veen: “Ich hab’ ein zärtliches Gefühl für jeden Nichtsnutz, jeden Kerl, der frei umherzieht ohne Ziel” – und  dann gehen sie hin und verankern die Netzneutralität im Gesetz. So sind die drauf! Da verzeih ich ihnen sogar Linda De Mol.

 

P.S. Sollten Sie übrigens den Verdacht haben, dass ihr Provider NICHT alle Bits mit gleicher Geschwindigkeit durch sein Netz lässt, sondern manche Dienste blockiert, andere bevorzugt behandelt, können Sie das hier melden: respectmynet.eu