UR21 Diskussion: Der Plan von der Abschaffung der Privatkopie

Seit ihrer Einführung in das Urheberrechtsgesetz hat die “Privatkopie” einen schlechten Ruf. Daß Menschen zu privaten Zwecken kulturelle Güter und Kunst in vernünftigem (also: nicht in industriellem) Umfang kopieren können, steht von Anfang an im Ruch, Kunst und Kultur zu vernichten (Stichwort: “home taping is killing music”).

Nun ist weder in den vergangenen 30 Jahren, in denen die “Privatkopie” als freie Werknutzung erlaubt ist, die Kunstproduktion in Film, Musik oder Literatur spürbar zurückgegangen – und ähnliches läßt sich von den zuvor rund 30.000 Jahren menschlicher Kultur sagen, in denen es nicht einmal ein kodifiziertes “Urheberrecht” gegeben hat.

Sicher: Wenn früher nur wenige Seiten eines Buches privat kopiert wurden, um den Text nicht durch färbige Anstreichungen und Annotationen zu beeinträchtigen, können heute ganze Werke per “copy-and-paste” von einer Festplatte auf die anderen wechseln. Aber: Sind das nicht jeweils unter Berücksichtigung des Datenträgers und technischen Fortschritts “übliche Nutzungshandlungen”?

Alfred J. Noll von “Film Austria” spricht im Zusammenhang der “Privatkopie” von “Enteignung” (“Festplattenabgabe revisited: Raus aus der Endlosschliefe!“, Der Standard vom 14.02.13, S. 31). Tatsächlich verwechselt der Jurist hier das geistige Eigentum des Urhebers an seiner ideelen Schöpfung mit den realen Nutzungshandlungen an der materiellen Manifestation dieser Idee, an der als Ware ein selbständiges Sacheigentum erwoben werden kann. Nicht nur im Sinne des Erschöpfungsgrundsatzes, sondern auch als Eigentümer an der Sache hat der Nutzer von Kunstgütern also Rechte, die nicht in das geistige Eigentumsrecht des Urhebers eingreifen.

Andererseits – und auf diese Entwicklung weisen zuvor Alexander Schnider und Lukas Feller hin – ist die “zulässige Privatkopie” inzwischen weitgehend “totes Recht” (am 13.02.13 im Standard, S. 9). Denn Konsumenten erwerben nicht mehr Vervielfältigungsstücke, die sie nutzen und ggf. auch privat teilweise kopieren können, sondern Konsumenten erwerben an digitalen Gütern nurmehr Nutzungsrechte. In diesen Nutzungsrechten oder Lizenzbedingungen ist regelmäßig die Vervielfältigungsmöglichkeit entweder bereits lizenziert oder ausdrücklich ausgeschlossen: Eine “Privatkopie” also entweder nicht vorgesehen oder – auch unter Berücksichtigung von DRM-Systemen – illegal.

Es wäre also – führt man beide Meinungen zusammen – aus juristischer Sicht durchaus plausibel, würde man die digitale “Privatkopie” abschaffen. Damit würde man Urhebern, die sich durch die Privatkopie “enteignet” fühlen, ebenso entgegenkommen wie der Kreativindustrie, die längst ihre Geschäftsmodelle anders justiert hat.
Allein: Wie rechtfertigt sich dann die lautstark geforderte Abgabe auf Speichermedien (Festplatten und andere)? Brauchen nicht vielleicht das “Recht auf Privatkopie” die Künstler und Urheber heute mehr als die Konsumenten?

Darüber sprechen wir beim 3. Termin der Veranstaltungsreihe “ur21 | Urheberrecht für das 21. Jahrhundert” mit dem Titel “Der Plan von der Abschaffung der Privatkopie – Wie wir kulturelle Güter in Zukunft nutzen werden”

am Donnerstag, den 28. Februar 2013, 19:30 Uhr bis 21:00 Uhr (Einlaß: 19:00)
im MetalabRathausstraße 6, 1010 Wien

Unsere Gäste auf dem Podium sind:

Moderation: Joachim Losehand, VIBE!AT

Dieser Abend wird zusammen mit der Initiative für Netzfreiheit veranstaltet.

Der Live-Stream aus dem Metalab beginnt um 19:30 Uhr.

NK09 – Netzpolitik in Österreich

In dieser Folge unseres Netzkinder Podcasts haben ich mal die Rolle getauscht. Diesmal bin ich nicht der Moderator, sondern war selbst zu Gast beim Grazer Podcast “murstrom“. Ich bin recht zufrieden mit dem Resultat und weil es hier im Kanal eh schon viel zu lange nichts Neues mehr zu hören gab (yes, I’m bussy) reposte ich die Folge aus Graz mal. Eine reguläre Sendung ist bereits in Arbeit und ich hoffe, wir schaffen es noch dieses Jahr :-/

Das wir hier weniger posten ist aber gar nicht so schlimm, weil die Marc und Stefan haben in ihrem Podcast auch schon eine nächste Folge veröffentlicht mit dem wunderbaren maclemon, der ja hier auch schon zu Gast war. Wer mehr aus Graz hören will, sollte murstrom abonnieren!

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Veranstaltung: LiMA Wien

Die Linke Medien Akademie (LiMA) gibt es in Deutschland bereits seit 10 Jahren, heuer findet sie zum ersten Mal in Wien statt. Am 6. und 7. Oktober 2012 geht die Veranstaltung im Neuen Institutsgebäude (NIG) der Uni Wien (Universitätsstraße 7) über die Bühne. Neben Grundkursen zu Journalismus und kritischer Medienarbeit wird es auch einige spannende Netzpolitisch Vorträge geben:

Besonders der letzte Punkt des Workshops am Sonntag sei euch ans Herz gelegt. Praktischer Datenschutz ist vor allem für Journalisten in Zeiten der Vorratsdatenspeicherung geboten um Informantenschutz und Redaktionsgeheimniss noch zu wahren.
Unser Ziel ist eine Grundlage in digitaler Selbstverteidigung zu geben.

Podcasttipp zur Urheberrechtsdebatte!

Die ewige Debatte rund ums Urheberrecht und neue Verwertungsmodelle im Internet hat einen neuen Baustein bekommen. Martin Auer und ich haben uns auf meinem anderen Podcast Hörensagen in der letzten Folge über das Urheberrecht unterhalten!

Martin Auer könntet ihr von seiner Kurzgeschichte hier im Blog kennen. Er ist Künstler und lebt schon seit vielen Jahren von seinen Büchern. Wir sprechen auch über Kunst hat Recht und den Kommentar im Standard, den ich letztens geschrieben hab. Aber eigentlich geht es darum wie zeitgemäße Lösungsmodelle ausschauen können.

Das Konzept von Hörensagen ist es explizit sich nicht so strukturiert und allgemeinverständlich wie hier im Podcast mit gewissen Themen auseinander zu setzten, viel mehr geht es um die subjektive Seite der Welt und die Persönlichkeiten hinter den Geschichten. Mal etwas Anderes, aber ich wollte mit Hörensagen auch explizit ein offeneres Gesprächsklima ausprobieren.

Hört rein!  (und abonniert! :)